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Berufliche Perspektiven

Der Master qualifiziert zukünftige Fach- und Führungskräfte in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit sowie von CVJM, Kirche und Diakonie. Besonders qualifiziert er für Tätigkeiten, die sich in neuartigen Kooperationen zwischen diesen Arbeitsfeldern gebildet haben oder noch im Entstehen begriffen sind.

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt hierbei auf der interprofessionellen Qualifikation für vielfältige Praxisfelder mit neuartigen oder sich überschneidenden Handlungslogiken.

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1. Kirchliche Arbeitsfelder

Die ev. Gliedkirchen der EKD durchlaufen einen großen Transformations-prozess, der unterschiedliche Gründe hat. Zwei entscheidende sind die jährlich ca. 200.000 Kirchenaustritte und der akute Fachkräftemangel. Hinzu kommt eine neue Generation an Hauptamtlichen, die mit dem alten Berufsbild der Pfarrerin/des Pfarrers wenig anfangen kann. Deshalb ent-stehen in immer mehr Landeskirchen Versuche eine neue Ebene zwischen den Berufen der Pfarrer/-innen und Diakon/-innen zu etablieren.

Zudem kommt es vermehrt zu Teamlösungen auf Kirchenkreisebene, in denen diese Ebene mit lokalen kirchlichen Akteuren Hand in Hand zusammenarbeitet. Aufgabenschwerpunkte sind: Vernetzungsarbeit, Rück-bindung der Kirche ins Gemeinwesen, Verknüpfung von Gemeindeleben mit Diakonie, missionarischer Gemeindeaufbau etc. Ein weiteres Stichwort ist „Neugründung“: Momentan entstehen in fast allen Gliedkirchen der EKD neue Initiativen, Gründungen und Bewegungen wie Fresh-X, kirchliche Erprobungsräume und andere Innovationsräume.

Für diese Arbeit suchen die jeweiligen Gliedkirchen entsprechend ausgebildete Fachkräfte, zum Beispiel: Fresh-X-Beauftragte einer Landeskirche. Gleichermaßen gilt dies für Gemeindegründungen in Freikirchen, Gemeinschaftsverbänden oder gar konfessionsübergreifende, missionale Gründungsprojekte. 

2. Arbeitsfeld: CVJM

Die Gründung der CVJM-Arbeit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Beispiel für eine Soziale Innovation in einer Zeit von Traditionsabbruch und rasanter sozialer Veränderung (Industrialisierung, Verstädterung, etc.) und der ganzheitliche Ansatz dieser Arbeit („die gute Nachricht von Jesus Christus weitergeben und sich für das geistliche, intellektuelle und körperliche Wohlergehen der einzelnen und das Wohl der Gemeinschaft einsetzen“, wie es in der Challenge 21 formuliert wird) zielt auf Transformation. Zugleich gibt es einen zunehmenden Bedeutungsverlust verbandlicher (Jugend-) Arbeit, die auch den CVJM, sowohl in seinen Verbänden als auch in seinen Ortsvereinen, maßgeblich betrifft und betreffen wird. Immer mehr junge Menschen wollen sich nicht institutionell binden, weshalb viele Ortsvereine und CVJM-Werke vor großen inhaltlichen und strukturellen Herausforderungen stehen.

Der CVJM benötigt daher Führungspersönlichkeiten, die junge Menschen für christliche Verbandsarbeit – auch durch ihre eigene CVJM-Identität – begeistern können sowie die Fähigkeit besitzen, Haupt- und Ehrenamtli-che für die Initiierung von Veränderungen zu motivieren und zu befähigen. Beispiel: Move-the-Y-Prozess der Arbeitsgemeinschaft der CVJM Deutschland

 

 

3. Diakonische Arbeitsfelder

Die Diakonie Deutschland hat in einem Zukunftspapier Trends und Impulse für die Strategieplanung herausgearbeitet, die für den Arbeitsmarkt der Diakonie von großer Bedeutung sind. Beabsichtigt werden z.B. die Stärkung des evangelischen Profils der diakonischen Arbeit sowie die Etablierung der Sozialraumorientierung als durchgehendes Handlungsprinzip. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen braucht es qualifizierte Fachkräfte.

Dieser Master-Abschluss befähigt, die Steuerung von diakonischen Prozessen im Gemeinwesen zu übernehmen und für eine Stärkung der Gemeinwesendiakonie durch die aktive Förderung vom Ehrenamtlichen zu sorgen. Er qualifiziert für Stellen in diakonischen Werken, die mit doppelt qualifizierten Leitungspersonen (Theologie/Soziale Arbeit) besetzt werden sollen, aber auch für andere Tätigkeiten in Gemeindediako-nie/Kirchenkreisdiakonie (Kleider- und Tafelläden, Familienzentren, diakonische Zentren). Weitere mögliche Aufgaben sind die Bildung von Synergien zwischen institutionalisierter Diakonie und Ortsgemeinden sowie anderen Kooperationspartnern.

4. Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit: Schwerpunkt Gemeinwesen und Sozialraumorientierung

Gemeinwesenarbeit ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil Sozialer Arbeit. Hier hat ein Weiterentwicklungs- und Ausdifferenzierungsprozess stattgefunden, der zu stadtteilbezogener Sozialen Arbeit, Quartiersmanagement und sozialraumorientierter Sozialen Arbeit geführt hat. In diesen Feldern fand und findet besonders häufig Soziale Innovation statt und ist hier angesichts der Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf Gemeinwesen (z.B. des zunehmenden ökonomischen Drucks, der Integration von Geflüchteten, soziale Spaltungsprozesse etc.) besonders nötig.

Die Absolvent/-innen des Masters werden insbesondere für diese innovative und transformative Gemeinwesenarbeit qualifiziert. Angesichts des großen Bedarfs an Fachkräften in der Sozialen Arbeit stehen den Absolvent/-innen aber auch andere Felder der Sozialen Arbeit offen: z.B. Sozialma-nagement,  Integrationshilfe und interkulturelle soziale Dienstleistungen, Arbeit mit Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen (z.B. Alte, Geflüchtete, Erwerbslose), teils auch Bereiche der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

5. Arbeitsfelder innerhalb christlicher Initiativen, Stiftungen und Projekte

Durch den gesellschaftlichen Wandel entstehen immer mehr Stiftungen in christlicher Trägerschaft, die sich beispielsweise in den Bereichen Integration, Schulen, offene Jugendarbeit und Gemeindegründung engagieren. Diese suchen Expertinnen und Experten, die eine theologische Urteilsfähigkeit und gleichermaßen eine sozialarbeiterische Kompetenz besitzen, um kooperativ und professionell an den jeweiligen Projekten und mit anderen Partnern im Gemeinwesen zu arbeiten.

Beispiel: Seehaus e.V., Wertestarter, Jumpers, Blu:Boks

6. Arbeitsfelder in den Zwischenräume von Kirche, Diakonie und Gemeinwesen

In den letzten Jahren kamen Städte und Kommunen, aber auch Kirchen und diakonische Werke immer mehr unter einen ökonomischen Druck, sodass Kooperationen unausweichlich waren, um die soziale Infrastruktur im Gemeinwesen aufrecht zu erhalten. Dazu werden zunehmen Fachkräfte gesucht, die die Logik der verschiedenen Partner verstehen, zusammenführen und gestalten können.

So entstehen neue Kooperationsräume zwischen unterschiedlichen Trägern von Stadt, Kirche und Diakonie, um die gemeinsamen Herausforderungen, die immer größer werdende Schere von Arm und Reich und die Integration von Zuwanderung zu bewältigen.

Es fehlen Fachkräfte, die die Steuerung von partizipatorischen Meinungsbildungsprozessen im Zwischenraum von Kirche, Diakonie und verschiedenen Playern des Gemeinwesens leiten können, zum Beispiel: Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in innovativer Stadtteilarbeit in christlicher Trägerschaft oder umgekehrt: Christliche Initiativen in städtischer Trägerschaft. Hier entstehen immer mehr vernetzte arbeitsfeldübergreifende Dienstaufträge (zwischen Kirche, Diakonie und Sozialer Arbeit).